SCHRUMPEL GURKE

Ich muss ich selbst sein. Ich kann mich nicht mehr für dich zerreißen.

Ich werde so sehr darauf vertrauen, dass das, was tief ist, heilig ist,

dass ich alles tun werde, was mich innerlich erfreut

und was das Herz verlangt.

RALPH WALDO EMERSON

 

Von dem Zen-Meister SHUNRYU SUZUKI gibt es das Buch „Zen-Geist Anfänger-Geist“. Jetzt habe ich eine Biografie über diesen Mann gelesen, „Crooked Cucumber“, die mich tief berührt hat. Das Berührtsein hat mehrere Ebenen. Eine davon ist die ständige Erinnerung daran, dass das ganze Leben inklusive seiner Schönsten und schrecklichsten Momente eine ausgezeichnete Möglichkeit ist, zu üben und zu wachsen. Dieser Augenblick ist die einzige Möglichkeit, uns der wahren Natur des Seins bewusst zu werden und was wirklich zählt ist die Weite oder Enge der Haltung in der wir ihn erfahren.

Es ist auch ein Buch über Vertrauen und Nichtwissen, über einen Mann, der seiner lebenslangen Vision folgt, auch wenn sich die Chance dazu erst ergibt, als es fast zu spät erscheint. Es ist ein Buch mit vielen lustigen und tiefen Geschichten, ein Buch zum Weinen und zum Lachen.

 

DAS BESONDERE AN DIESEM AUGENBLICK

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Alles ist der Geliebte, und der Liebende nur ein Schleier.

Es lebt der Geliebte, und der Liebende ist tot. RUMI

 

Lucinda Williams singt ihr fantastisches Album „ESSENCE“, der Bauch knurrt, eine Traurigkeit hinter dem Brustbein, Gedanken an jemanden, den ich seit vielen Jahren kenne und dessen Seele sich jetzt aus dem Körper zurückzieht, eine kühle und belebende Prise weht durch die Wohnung, mehr Gedanken an Menschen, die ich kenne, ein kalter Schluck grüner Tee, noch mehr Gedanken, während Lucinda eine neues Lied anstimmt.

Das Besondere an diesem Augenblick ist, dass er einmalig ist und nie wiederkehren wird. So vollkommen, erfüllt, zugleich heilig und banal . . . vorbei.

Nichts zum festhalten, nichts von Dauer, keine Gewissheit, kein Ziel, kein Ruhekissen. Nur dieser Atemzug und natürlich Lucinda, die „Get right with God“ singt. Die Welt ist flüchtig, mehr kann man nicht wissen. Früher hat mich das beunruhigt, heute bedeutet es Heilung und Gnade.

Aber auch das geht vorbei.

 

KURZE ANLEITUNG ZUR SUCHE NACH DER BESTIMMUNG

In den letzten Wochen war das Thema „Bestimmung“ oder mehr noch die Suche nach der Bestimmung das Thema vieler Gespräche. Deshalb hier die Kurzform meiner Erfahrungen dazu:

Wenn du deine Bestimmung suchst, mach die Augen auf . . .

Sei aufmerksam für das, was gerade geschieht. Das ist deine Bestimmung. Der Sinn deines Lebens besteht in diesem Atemzug, darin, diese Kartoffel zu schälen, den Schmerz in deinem rechten Knie oder diesen Kuss zu spüren, einen Gedanken wahrzunehmen und den Vogel draußen schreien zu hören.

Da hast du´s! Das ist schon alles. Bestimmung ist die Stimmung des Augenblicks.

Vielleicht machst du die Augen auf und schreibst gerade einen Bestseller oder eine Einkaufsliste, oder schaust auf ein schreiendes Kind oder hast ein Messer in der Hand, schaust in die Augen deines Nachbarn oder machst sie wieder zu und dein Körper macht seinen letzten Atemzug.

Vielleicht nimmst du den Gedanken wahr, dass du endlich glücklich werden könntest, wenn du um deine Bestimmung wüsstest und siehst, dass das ein Gedanke ist, der dich auf jeden Fall unglücklich macht, wenn du ihn für wahr hältst. Menschen wollen glücklich sein, weil das unser natürlicher Zustand ist, wenn wir alles andere weglassen. Die Betonung liegt zu recht auf glücklich „SEIN“. Glücklich zu sein, indem wir erst durch etwas, das wir, wie unsere Bestimmung, noch brauchen, glücklich „werden“, klingt kompliziert und gelingt in der Praxis nie.

Alles, was geschieht, ist meine Bestimmung, ich muss es noch nicht einmal mögen. Es klingelt und ich öffne einem Menschen die Tür. Das ist meine Bestimmung. Das ist schon alles.

Sonntagsspaziergang

Die Stadt ist voller Zeichen und Wunder. Ich schreibe etwas über das Feld der Liebe, dabei bezugnehmend auf die Karte „Die Liebenden“ im Tarot, gehe raus auf die Sraße, um die Sonne zu genießen und kaum ein paar Kilometer weiter sehe ich an einer

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Häuserwand diese drei Plakate hängen. Zusammen ergeben sie eine aktuelle Interpretation der alten Themas. Viel Spaß bei deinen Frühlingsausflügen.

FRAUEN UND MÄNNER

Beziehungen sind oft das Thema in diesen Tagen. Im TV erzählt die Ehefrau des Beatles Georg Harrison, die bis zu seinem Tod 30 Jahre mit ihm verheiratet war, dass Harrison einmal gefragt wurde, was das Geheimnis einer guten Ehe ist. Lakonisch entgegnet er: Nicht scheiden lassen!

In dem Entwurf zu dem Tarotbuch schreibe ich heute an dem Kapitel zu den Karten HERRSCHERIN & HERRSCHER. Hier ein Auszug zum Thema:

 

Vor ein paar Tagen sah ich im Fernsehen ein Eistanzpaar auf einer Weltmeisterschaft ihre Kunst darbieten. Sie schön, stolz, grazil und strahlend. Er stark und verlässlich. Beide konzentriert, aufmerksam, mit dem Willen, ihr Bestes zu geben.

Noch einmal: Die Verhältnisse zwischen Männern und Frauen werden und müssen sich weltweit ändern. Es ist Zeit, alle Stereotype zu hinterfragen. Und doch verkörpert das eislaufende Paar in schöner Weise einige der Aspekte von HERRSCHERIN und HERRSCHER: Der Tanz entsteht aus ihrer Zweiheit als drittes Element. Sie erschaffen aus dem gleichberechtigten Miteinander etwas Neues, was nur einer alleine nicht vollbringen kann. Dabei ergänzen sich ihre Fähigkeiten, was die Grundlage bildet für das tiefe Vertrauen ineinander.

Seine Kraft gibt ihrer Schönheit und ihrem Mut den Rahmen, sich zu entfalten. Im Bemühen, ihrer Leichtigkeit und Anmut gerecht zu werden, entwickelt er Leichtigkeit und Anmut in sich, er öffnet sich ihrem Wesen. Im Wunsch zu unterstützen wird sie stärker und schneller, sie öffnet sich seinem Wesen. Beide respektieren das Andere und schon dieser Respekt ist eine Form der Liebe.

Wenn Männer und Frauen dazu erwachen, dass es in ihren Beziehungen nicht um sie selbst, sondern um den Tanz zwischen ihnen, um die Verbundenheit und das gemeinsame Eingebundensein in das Feld der Liebe geht, dann werden Beziehungen potentiell heilend, stärkend und aufregend neu, statt verletzend und erstarrt. Wo wir bisher glauben, dass unsere Bedürfnisse im Mittelpunkt einer Beziehung stehen, lehren HERRSCHER und HERRSCHERIN einen Weg der Selbstlosigkeit und Ausrichtung auf etwas Größeres als das kleine Ich. Und paradoxerweise finden wir auf dem Weg alles, was wir uns wünschen und mysteriöser noch, wir wünschen uns, was wir finden. Der Weg der Selbstlosigkeit ist ein Weg der Erfüllung.

Dabei wird die HERRSCHERIN immer Liebe und Überfluss sein und der HERRSCHER das Bestehende schützen und gleichzeitig seine Grenzen erweitern. Gegenwärtig entwickeln sich die Frauen schneller als die Männer auf diesem Planeten. Die alten Gesetze verlieren ihre Macht, Herrscherin und Herrscher begegnen sich neu. Das hat die Wirkung, dass neben den Frauen, die seit einiger Zeit neue Wege erforschen, auch die Männer, ob sie wollen oder nicht, aufbrechen müssen zu einer neuen Freiheit jenseits der traditionellen Rollen und Erwartungen. Wie kann diese Freiheit im Lichte des HERRSCHERS aussehen?

Der Herrscher strahlt Macht und Autorität aus. Er macht keine Kompromisse und verdreht sich nicht. Das Männliche muss stark und authentisch sein in einer Weise, die anders ist als die des Weiblichen und gleichzeitig seine tiefe Wertschätzung, Liebe und Freude für den gemeinsamen Tanz zeigt. In konkreten Beziehungen muss ein Mann die ganze Verantwortung für seine Gefühle und deren Kommunikation übernehmen. Nur wenn wir ganz und tief fühlen, entwickelt sich das Mitfühlen mit dem Ganzen. Versucht er, das anderen, insbesondere der Frau zu überlassen, verliert er seine Würde und sie den Respekt vor ihm mit Folgen für die Beziehung. Ein Mann wird eine Vision entwickeln, die spirituell und im Herzen dem Leben zugewandt, befreiend und schützend, abenteuerlich und mutig ist. Er wird dieser Vision folgen, weil für ihn nichts wichtiger ist, als der Einheit und dem Leben zu dienen, auch wenn es ihn das Leben kostet. Die Tarotlehrerin sagt, dass erst, wenn eine Frau die Unbedingtheit und Freiheit eines Mannes fühlt, seiner Vision zu folgen, sie beginnt, ihm zu vertrauen, weil er dann ganz er selbst und ohne Anmaßung ist. Ein Mann, der auf diese Weise von einer Frau gesehen wird, wird mit Klarheit und Mut alle Grenzen überwinden und tun, was getan werden muss, um aus dem Unbekannten eine bessere Welt zu schaffen. In ihrem Blick erkennt er die Liebe, so wie sie in seinem Blick die Freiheit erkennt. Mehr braucht es nicht, um zu heilen und das Neue zu wagen, sagt die Tarotfrau und lächelt.

GELÖST

Heute auf dem Platz vor dem Mainzer Dom. Es ist Markt, mein Vater in seinem Rollstuhl und ich strecken die Gesichter in die Sonne und stellen uns vor, wie sie den Winter aus unseren Zellen vertreibt.

Nicht weit redet ein Mann laut auf zwei, eher unsicher wirkende Nonnen ein. Im breitesten Meenzerischen Dialekt wirkt er doch wie ein alttestamentarischer Prophet. Er kennt seine Bibel und zitiert unentwegt daraus, um sein Anliegen zu untermauern. Ich verstehe es nicht ganz, aber er sagt, die Menschen leiden unter „Gottferne“ und es sei unchristlich, nicht selbst die Bibel zu lesen, sondern sie von irgendwelchen Priestern und Päpsten auslegen zu lassen. Und schon gar nicht könne man sich von Politikern sagen lassen, wie ein richtiges Leben aussehe. Die Nonnen im heiligen Mainz gucken mittlerweile etwas sauertöpfisch und zucken bei der Erwähnung ihres Vorgesetzten zusammen, aber insgesamt können sie dem Mann nicht widersprechen. Er hat Energie und eine intensive Ausstrahlung. Was er sagt, hat mehr Kraft als alles, was ich in vielen Jahren in TV-Talks gehört habe.

 Auf einmal fühle ich mich gelöst und fröhlich. Es hat etwas erfrischendes, jemanden mit ganzem Herzen über etwas Wichtiges sprechen zu hören, besonders, wenn es ihm nicht um seine eigene Befindlichkeit geht, sondern um etwas Größeres, dem er sich verpflichtet fühlt. Die Nonnen gehen und der Mann schaut mich an. Guter Tag, sage ich. In Gottes Hand, entgegnet er etwas mysteriös und entfernt sich.

20130303_120629Das Plakat hängt in Mainz und bringt alle Spiritualität auf den Punkt

Vor ein paar Tagen schauen Elke und ich nachts eine Feature über eine Schamanin und Seherin im Himalaya und ihre Familie, zu der ihr Enkel, siebenjähriger, wiedergeborener hoher Lama, und ihre Enkelin, ein überaus sprachbegabtes Mädchen gehört. Es sind wundervolle Menschen, die mit Geistern sprechen, lange Reisen auf sich nehmen, um berühmte Lamas und Pilgerstätten zu besuchen und trotz manchmal bedrohlicher Umstände immer freundlich und ausgerichtet bleiben. Als wir darüber sprechen, fällt uns auf, dass ganz selbstverständlich ihr Leben im Dienst von etwas Größerem steht. Sie jammern nicht und es wirkt zumindest im Film so, als ob selbst die alltäglichsten Handlungen sich auf die Unendlichkeit beziehen. Sie essen nicht für sich, sondern um der Schöpfung zu danken. Sie reisen nicht, um etwas persönliches zu erreichen, sondern damit sich der Wille Buddhas durch sie manifestieren kann. Dadurch haben sie etwas Gelöstes ohne auch nur im Geringsten abgehoben zu sein. Mir fällt kein besseres Wort ein, aber ihr Leben und ihre Handlungen sind heiliges Leben und heilige Handlungen. Daran erinnert mich auch der Prediger in Mainz. Sie leben in einer Heiligen Welt und weisen über sich hinaus. Es ist auch meine Welt.

RUMBLIG

Irgendwie gestalten sich die Jahresanfänge seit einiger Zeit etwas rumblig, wenn das ein Wort ist und wenn nicht, passt es trotzdem. Es ist so viel los, dass Elke und ich jetzt schon Nahrungsergänzungsmittel und Smoothies schlucken, um uns zu dopen und zumindest das Gefühl zu haben, wir seien abends mehr als nur zwei müde Topfplanzen die still in der Ecke sitzen und warten, dass sie einer ins Bett bringt. Ich habe inspirierende neue Ideen, komme aber nicht dazu, wirklich darüber nachzudenken. Okay, murmelt Elke, Herr Hanke und Denken, das sehe ich sowieso nicht ganz so eng beieinander, konzentriere dich einfach auf das Wesentliche. Du meinst die Verdauung?, frage ich, bekomme aber schon gar keine Antwort mehr. Zumindest sieht Elke mit den hübschen Blättern und Lianen wie immer entzückend aus und wir beide produzieren jetzt abends jede Menge Sauerstoff. Vielleicht sollten wir die Smoothies reduzieren und mehr Pferdefleisch essen, damit das Ganze nicht entgleist.

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Immerhin: Hier mein erstes veröffentlichtes Photo. Es soll den beschriebenen Zusatnd etwas verdeutlichen.

Genug von mir. Gestern Abend habe ich einen wunderbaren Film über eine Schamanin im Himalaya gesehen. Manchmal war sie in tiefer Trance, fast wie eine Topfpflanze . . . Gut, von dem Thema komme ich heute nicht mehr los. Demnächst, sobald ich etwas zum Nachdenken komme, gibt’s hier dann neue brillante Einsichten und grüne Weisheiten. Bis dahin alles Gute!